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Rio

„La cidade maravilhosa“, die wunderbare Stadt – was so heißt, weckt Erwartungen! Und wirklich, der Blick von oben auf die Stadt, die Hügel, die Strände – der ist wunderschön. Aus der Ferne.
Aus der Nähe blättert der Lack doch beträchtlich, neben den erhaltenen schönen Bauten aus Kolonialzeit und Moderne gibt es auch viele, die verfallen; von den lieblosen und global austauschbaren Zweckbauten und Shopping-Malls der letzten Jahrzehnte mal abgesehen.
Statt reiner Schönheit also wie erwartet vor allem Gegensätze: Ein geschäftiges Zentrum, das 30 Minuten nach Ladenschluß menschenleer und zur Hochrisiko-Zone wird. Hochwertige Boutiquen und kleine Kramläden, nur durch einen Straßenzug getrennt. Angestellte aus klimatisierten Büros kaufen bei fliegenden Händlern und kleinen Straßenküchen täglich Mittagessen, Zeitung und Kaffee.
Die Reiseführer listen auf, was man besser nicht machen sollte: (Allein) durch wenig belebte Straßen laufen. In großen Menschenmengen unterwegs sein. Wertsachen und viel Bargeld dabei haben. Im Falle eines Überfalls nicht genug Wertsachen/Bargeld dabei haben… keine große Hilfe.
Bewegung in der Stadt wird also kompliziert, die „sicheren“ Transportmöglichkeiten sind abhängig von Tageszeit und Wochentag. Für längere Strecken sind Metro und Busse bei Tag ok, ab Einbruch der Dunkelheit besser nicht mehr – Busse gehen auch noch bis ca. 9:00 pm, immer abhängig vom Fahrziel. Bleibt noch das Taxi – ok, aber nicht günstig.
Laufen, meine bevorzugte Stadt-Erkundungs-Methode, geht nur zu Geschäftszeiten im Zentrum und am Abend in den Ausgeh- und Touristenvierteln – Nebenstraßen und alles was schlecht beleuchtet ist: riskant. Mehr oder weniger.
Ich stelle fest, daß ich (allein unterwegs, Touristin ohne Portugiesisch-Kenntnisse) nicht so wagemutig bin, wie ich gedacht (gehofft?) hatte. Im Laufe der Tage wachsen Erfahrung und Mut und so wird der Bewegungsrahmen weiter, dennoch halte ich zu der Stadt, deren Kontraste ich so gern aus der Nähe erlebt hätte, größeren Abstand als erhofft. Schade.
Innerhalb dieser ungewohnten Einschränkungen geht es dann erst mal an’s Touristen-Programm: Zuckerhut, Corcovao und Christus, Selarón-Stufen, Theater, Museen, Kirchen, und jeden Abend/Nachmittag Ipanema und Copacabana („meine“ Nachbarschaft) – ist ja nicht so, als gäbe es nichts zu sehen!

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