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Melbourne

– war da was? Melbourne, die kleine, „europäische“ Schwester, die sich gegen Sydney behauptet durch ihren Ruf, Kultur- und Kaffee-Hauptstadt Australiens zu sein. Und regelmäßig unter die Top-Ten der lebenswertesten Städte der Welt gewählt wird.
Tatsächlich erschließt sich mir erst im Rückblick, wie es zu dieser Platzierung kommen kann – während meines Aufenthaltes ist mir wenig soo bemerkenswert lebenswertes aufgefallen.
Tatsächlich sind die Alleyways in der City nett, mit ihren Cafés, Restaurants und Boutiquen neben den üblichen Nobel-Läden und Ketten. Zum Shoppen würde ich Melbourne Sydney sicherlich vorziehen!
Der Rest der Stadt wird von den Lokals in das „echte“, d.h. hipp-heruntergekommene Melbourne nördlich und westlich des Yarra und das „uncoole“, d.h. traditionell bessere Melbourne südlich und östlich eingeteilt. Nicht dass die Grenze in allen Fällen so genau eingehalten worden wäre – früher oder heute. Es gibt selbstverständlich bessere Wohngegenden nördlich und traditionell schwierige Viertel südlich, aber so ist die lokale Landkarte.
Keine Überraschung also, daß die In-Viertel, wie Fitzroy und Collingwood, nördlich der City liegen. In den traditionellen Arbeitervierteln mitten im Prozess der Gentrifizierung entsteht die übliche Mischung aus alten und z.T. noch ziemlich heruntergekommenen ehemaligen Arbeiterhäuschen und neuen lokalen Designer-Boutiquen, eigenwilligen Second-Hand-Lädchen, Bars und Kneipen. Die Bebauung ist dichter als in den traditionell besseren (Wohn-) Gegenden, und auch heute noch gibt es eine ganze Reihe Werkstätten und Manufakturen.
Die besseren Gegenden erinnern mich ein bisschen an amerikanische Vorstädte – breite baumbestandene Straßenzüge, kleine, 1-2-stöckige Häuschen, hübsch gepflegte Vorgärten, ruhig. Überraschend ist, wie nah an der City diese Viertel liegen. Selbst die sehr teuren Neubauviertel auf den ehemaligen Hafenbereichen bleiben 3-4-stöckig. Kaum Verdichtung, obwohl auch in Melbourne die Grundstückspreise steigen und bezahlbarer Wohnraum knapp ist. So weichen die, die müssen, auf das Umland aus – Melbourne Metropolitan Area erstreckt sich auf einer Fläche von 9.990 km2 bei ca. 4.25 Mio. Einwohnern und einer Dichte von nur ca. 4300 EW/km2… Die abgelegeneren Teile der Metropole, wie z.B. das ehemalige Fischerdörfchen Williamstown ein Stück weiter an der Bay sind richtiggehend verschlafen – und nur 20 Min. mit der S-Bahn von der Central Station entfernt. Was aus Sicht einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Siedlungsentwicklung nach Albtraum kling, wirkt vor Ort ganz idyllisch – und ist vielleicht ein Grund für das Spitzenranking.
Ausser meinen Erkundungsgängen durch die Stadtviertel, Parks und Strandpromenaden hab ich mir noch einen Extra-Spaß gegönnt: Einmal Australian Rules Football (=“Footy“) live im Station sehen! Die Regeln sind verwirrend (für mich), Stellungsspiel ist keines erkennbar (für mich), und am Schönsten: Wer foult, d.h. von hinten den Gegner so fest hält, daß dieser den Ball nicht schnell genug fallen lassen oder abgeben kann, bekommt einen Freistoß! D.h. Balgereien auf dem Rasen sind essenzieller Teil des Spiels, werden von allen gern eingegangen und vom Publikum enthusiastisch kommentiert! Das Publikum ist bunt-gemischt, von Familien mit kleinen Kindern, Teenager-Gruppen bis zu Damenkränzchen im fortgeschrittenen Alter sind alle da und feuern ihr Team an. Randale gibt’s keine, die Beleidigungen auf den Rängen werden sportlich genommen und hinterher gehen alle gemeinsam fröhlich nach Hause. Wie gesagt – Idylle!

3 Kommentare

  1. anne

    Aber „irgendwie nett“ im ganzen Stadtraum, grün, weitläufig, heiter, mit Bebauungssaum am Meer- zum dort Leben bestimmt angenehm, wenn auch dem/der Reisenden vielleicht weniger Spannung bietend durch aufregende Ecken und Kanten im städtischen Korpus. Na, davon gibt’s dann in Rio bestimmt genug…

  2. Florian

    Och, ich weiß nicht … Wenn ich mir deine Fotos so anschaue, dann sieht da Vieles recht ‚gemütlich-relaxed‘ aus – und ist nicht gerade das ein Grundfaktor, der auf ‚lebenswert‘ schließen lässt? Mir jedenfalls wäre das lieber als eine hektische, dynamische City á la L.A. / Las Vegas usw.

    Und Aussie Football ist sowieso cool!!! ;D

    Und jetzt bin ich gespannt über die Eindrücke aus Südamerika. Den Sprung über den Pazifik nimmst du zwar nicht vor (wäre ja auch interessant), aber mal schau’n, was Rio & Co. zu bieten haben!

    • doho

      Ja klar, relaxed isses. Und wenn man nicht gerade von der großen Reise kommt, ist auch die Vielfalt an Restaurants sicher super. Auch, dass es sowohl die dichteren, urbaneren, gemischten als auch die weitläufigeren ruhigeren reine Wohnviertel gibt ist sicher nett. Mir hat glaub ich das „Extra“ ein bisschen gefehlt, das eine ganz besondere Charakeristikum. Außer das alles irgendwie nett ist… das ist für den Reisenden einfach weniger spannend.

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