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Wanaka

Wanaka, Landstraße, später Abend. Ich sitze auf dem Rücksitz eines Trucks, vor mir zwei bewaffnete Männer.
Ok, genau genommen ist nur einer bewaffnet, und das auch nicht im Moment, denn die beiden Gewehre liegen irgendwo hinter mir im Kofferraum. Ich bin auf dem Weg zur Kaninchenjagd, mit R., dem Bekannten eines Bekannten und L., seinem Fahrer. Meine Aufgabe wird es sein, die Tore zu öffnen und zu schließen, die die verschiedenen Weiden der Farm voneinander trennen, auf der die beiden die Kaninchenplage bekämpfen.
Neuseeland hat sich früh von Gondwana getrennt, darum gibt es keine einheimischen Landsäugetiere. Viele der von den Einwanderern mitgebrachten haben sich schnell zu Plagen entwickelt, die die einheimische Flora und Fauna bedrohen. Das gilt für Kaninchen, Hasen, Katzen, Marder, Opossums, aber auch für Rehe und Wildschweine. Wölfe, Bären und Schlangen haben es noch nicht bis hierher geschafft, so daß die Populationen der „Neuzugänge“ ungezügelt wachsen – bzw. eben der Mensch regulieren muss, was er nicht mehr los wird. Die einheimischen Vögel z.B. haben sich ohne (Nest-) Räuber entwickelt und sind leichte Beute für Katzen, Marder etc., Kaninchen, Rehe und Wildschweine schaden der Ernte, und die zur Eindämmung der Kaninchenplage eingeführten Marder – s.o.
Heute Nacht also jagen wir Kaninchen. Meine erste Begegnung aus der Nähe mit der Jagdpraxis konfrontiert mich damit, bei der Tötung von etwas zuzusehen, das ich bisher als Haustier, auch als Schmusetier kennengelernt habe – keine einfache Lektion… Ich sehe die Notwendigkeit, und der Akt des Schießens, auch des Tötens selber geht weitgehend emotionslos, routiniert vonstatten, ohne besonderes Mitleid, aber auch ohne Grausamkeit. Er ist eine Notwendigkeit.
Dennoch frage ich mich zwischendurch, ob ich nach dieser Erfahrung weiter guten Gewissens Fleisch essen kann… die Entscheidung steht noch aus.

Vor dem Jagdausflug hatte ich auf R.s Rat hin einen Ausflug zum Roy-Glacier gemacht. Schon die Anfahrt war eindrucksvoll, der Weg durch den Wald bergauf an einem Wildbach entlang auch. Aber wirklich schön war dann die Aussicht auf den Gletscher, der mit seinen Gletscherzungen in’s Tal fließt und mehrere hohe Wasserfälle speist!

Am nächsten Tag nimmt R. mich mit zu einem Ausflug über die Farm, auf der gestern gejagt wurde – ca. 5000 Stk. Schafe auf einer für meine Begriffe riesigen Fläche, die der Farmer weitgehend allein bewirtschaftet. Nur für spezielle Arbeiten werden Hilfsarbeiter eingestellt bzw. Spezialisten beauftragt.
Im 4WD (lies: Truck mit Allrad-Antrieb – ich wär ja zu gern selber mal gefahren! ;-)) geht es steile Hügel hinauf und wieder hinunter, durch Bäche, Senken, Matschlöcher. Neben Wanaka, See und Bergen sehen wir Schafe (eine Menge), Rinder (ein paar), Dazwischen gibt es echt Englisches Frühstück, von R. auf einem Campingkocher gekocht, und später ganz luxuriös auf einer wunderschönen kleinen Wiese am Clutha-River BBQ mit Wild und Gemüse, und Blaubeer-Bananensmoothie zum Nachtisch. Perfekt!

8 Kommentare

  1. GH

    Viele Bilder von monumentaler Schönheit. Und dazwischen das blaue Blümchen. Dieses Bild vergrößere ich immer wieder, dann kommen die Farben zum Leuchten, und man sieht sogar die Härchen an Stengel und Wickeln und die roten Staubfäden. Es liegt wohl an meinem reduzierten Visus, daß ich das gespaltene Ende der Griffel nicht sehe. Wie eine Schlangenzunge: der Natternkopf. Bald blüht er auch bei uns wieder.

    • doho

      Das Geweih – darf man das sagen – also das hab ich gefunden. Der Sommer geht dem Ende zu, die Balz ist vorbei und das hübsche Deko-Ding mithin überflüssig, drum wird es abgeworfen und liegt dann so im der Gegend rum. Wächst ja nächstes Jahr wieder nach…

  2. Florian

    Jorik: „Da müssen wir hin!!!“
    Ich lese eh‘ heraus, dass C. dir das alles so toll zeigt und ermöglicht, damit wir ihn und I. (-> liebe Grüße ;D) mal besuchen kommen. Was – bei den Bildern und Möglichkeiten erst recht – sicher der Fall sein wird.

    Enjoy!

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