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Christchurch – Akaroa

Nach einem laaangen Flug von Hongkong nach Bangkok nach Sydney nach Christchurch bin ich nun also in Neuseeland. Grün – Platz – Sauerstoff; das sind die ersten Begriffe, die nach Hongkong den Wechsel beschreiben. Wobei das mit dem „grün“ relativ ist, nach einer langen Trockenzeit sind die Hügel eigentlich mehr rostrot-sandfarben…
Ein erster Rundgang durch Christchurch macht klar, wie groß die Schäden der Erdbeben von 2010/2011 gewesen sein müssen: 4 Jahre später immernoch Schotterflächen, Baukräne, Container als temporäre Bauten überall. Das Stadtzentrum ist um 21:00 fast menschenleer. Am Ende lande ich in einem Irish Pub, leiste mir ein Abendessen „auswärts“, freue mich an der Musik, den Tänzern und der netten Stimmung und fühle mich gleich ein bisschen zu Hause.
Am nächsten Tag erkunde ich die Stadt etwas ausgiebiger, gehe zum Info-Zelt von „Future Christchurch“ und auf deren Rat hin zum Büro des City Council, wo tatsächlich eine Dame aus der Planungsabteilung sich Zeit nimmt und ausführlich 1,5 h lang erklärt, wie die Planungen zum Wiederaufbau verlaufen sind: Mit dem von der Stadt erstellten draft plan, der in enger Abstimmung mit den Bürgern entwickelt wurde. Von der Einrichtung einer direkt der Regierung unterstellten Kommission, die nach dem draft plan mit Hilfe eines Expertenteams einen Masterplan erstellt hat. Daß diesr aktuell die Grundlage der Bautätigkeit darstellt, jedoch ganz ohne Einbeziehung der Bürgern entwickelt wurde.
Auch von den Schwierigkeiten, die sich aus den unterschiedlichen Befugnissen und Zuständigkeiten ergeben, und der unbefriedigenden Situation der Bürger, die nicht mehr Wissen, was in ihrer Stadt geschieht. Vom Geldmangel und den Konflikten zwischen Stadt und Kommission und der Ungeduld der Einwohner. Und nicht zuletzt: vom mangelnden Bedarf an wiederaufgebauten Büro- und Geschäftsflächen, da nach dem Erdbeben ganz schnell viele neue Gebäude am Rand der Stadt gebaut wurden, um die Firmen in der Stadt zu halten. Jetzt haben die dort ihre nigelnagelneuen Büro- und Verkaufsflächen und wollen nicht mehr unbedingt bzw. sehen keine Grund für eine Rückkehr in’s Zentrum…
Es gibt verschiedene aktive Bürgerinitiativen wie „Green the Rubble“ und „Gap Filler“, die die Brachen der Stadt bespielen und sowohl an die Erbeben erinnern als auch nötige Funktionen des Zentrums bereitstellen – und natürlich eine Diskussionsplattform bilden.
Nach den kurzen intensiven Tagen in Christchurch will ich endlich los, „richtiges“ Neuseeland sehen und fahre nach Akaroa als erster Station meiner Reise nach Süden. Auf der Fahrt über die Halbinsel bekomme ich endlich, was ich die ganze Zeit erwartet hatte: weite, großartige Landschaft.

3 Kommentare

  1. Anne

    Rote Nelken? Gibts da eine passende Symbolik, oder ist es reine Deko?
    Ich kann dir gut nachfühlen, dass du nach all der Enge in den menschenreichen Städten nach weiten Ausblicken hungerst – ganz schönes Kontrastprogramm, das! Lass dir den Wind um die Nase wehen, Autofenster runter gekurbelt, Sonne im Genick, und Verweilen überall da, wo’s dich verlockt!

    Ach ja, hier die Nachlieferung:

    Reiselied von Bilbo Beutlin

    Die Straße gleitet fort und fort,
    Weg von der Tür, wo sie begann,
    Weit überland, von Ort zu Ort,
    Ich folge ihr, so gut ich kann.
    Ihr lauf ich raschen Fußes nach
    Bis sie sich groß und breit verflicht
    Mit Weg und Wagnis tausendfach.
    Und wohin dann? Ich weiß es nicht…

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