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Wohnen in Singapur

Wie bekannt, ist Singapur ein Stadtstaat mit einer sehr begrenzten Fläche. Wohnen findet daher hauptsächlich in der Vertikalen statt, in Appartement- bzw. Hochhausblöcken, sowohl in den sog. „integrated buildings“ mit Geschäften unten und Wohnen obendrüber in der Innenstadt wie in den Wohnsiedlungen. Diese werden in Satellitensiedlungen entlang des gut ausgebauten MRT (S-Bahn)-Netzes angelegt. Nur sehr wenige leben noch in den traditionellen Vierteln wie z.B. Little India, nur die sehr Wohlhabenden können sich „normale“ Häuser leisten – und noch weniger die begehrten historischen Shophäuser in der Innenstadt!
Die Wohnblocks der Siedlungen werden immer höher, je jünger die Siedlung und je weiter weg von der Kernstadt. In Punggol stehen die Türme so dicht nebeneinander, daß die Freiräume dazwischen selber zu vertikalen Räumen werden, mehrstöckige Canyons mit Parkflächen im Erd- resp. Untergeschoss und intensiv bepflanzten Gartenhöfen darüber. Klimatisch ist das keine schlechte Lösung, die Höfe werden beschattet, die Parkflächen auch. Trotzdem bleiben die Höfe leer. (Noch) zu wenige Bewohner? Zu viele Hemmungen, die spärliche Freizeit „unter aller Augen“ zu verbringen? Die Ufer-Promenade entlang des Süßwasser-Reservoirs war deutlich belebter, d.h. in ca. 40 Min. sind mir vielleicht 15 Leute begegnet…
Die ältere Siedlung an der MRT-Station Bisham, die ich besucht habe war weniger hoch, weniger dicht und deutlich belebter. Obwohl hier fast der gesamte Raum zwischen den Gebäuden Verkehrs- und Parkraum war, wurden die wenigen vorhandenen Spiel- und Aufenthaltsflächen deutlich mehr genutzt. Wäsche, Schuhregale und Topfpflanzen vor den Hauseingängen beanspruchen ungeplant den eigentlich öffentlichen Raum.
Eine Bewohnerin allerdings sagte, daß sie auch nach 12 Jahren in der Wohnanlage ihre Nachbarn kaum kennt – intensives Nachbarschaftsleben, wie ich es in Bangkok kennengelernt habe, scheint sich hier auch nach 35 Jahren nicht eingestellt zu haben.
Wo geht man also hin, um am Wochenende ein bisschen Bewegung und Sonne zu kriegen? Nach Sentosa!

4 Kommentare

  1. Anne

    Huu, grüne Schluchten der modernen Art, wahrlich – sicher eine Wohltat für’s Auge zwischen all dem (Kunst-)Stein, aber gleichzeitig fühlen sich die eigenen Quadratmeter in und um Wohnung und Haus plötzlich ungemein luxuriös an! All das wenig gepflegte, dicht bewachsene wilde Abstandsgrün, wenig beachtet im Verhältnis zu den kleinen Staudenflächen, die man ja hegt, bewusst genießt etc.: wieviel macht das doch an Lebensqualität aus!
    In der Tat: Man lernt auch das Eigene anders kennen, während der Blick in der ferne weilt!
    Sehr sehenswerte Bilder, wieder und wieder!

    • doho

      Hallo Anne, ja, man kommt in’s grübeln. Was braucht Mensch, um dauerhaft glücklich wohnen und leben zu können? Wieviel Ausblick, Grün, Nachbarschaft, wieviele eigene, selbst erstellte oder selbst veränderte Bereiche? Die Bilder aus Singapur, Hongkong, aber auch Bangkok sind zu ständigen Stolpersteinen in meinen gewohnten Sichtweisen geworden. Genau das hatte ich mir erhofft, also: Mission gelungen!

  2. GH

    Liebe Doro!
    Mit Dir kann man angeben! Ich habe eine Bekannte an Deinen Blog herangeführt, und sie hat sich geradezu echauffiert vor Lob: die schönen Fotos, keines langweilig, alle mitten rein ins pralle Leben, ins Unbekannte, ins Bunte. Und wie Du Deine Erlebnisse erläuterst: lebendig und klar, und an passender Stelle sind „purple patches“ eingestreut („Ich bin verliebt“: Ich habe die Katastrophe kommen sehen. Der Puls wollte gerade loslegen, da schob sich die „Fernbeziehung zu einer Insel“ unter meine Augen…).
    Tja, wenn andere Dich so loben, spart mir das Worte.
    Noch viele schöne Tage!
    GH

    • doho

      Hallo!
      Schön, dass Dir der Blog gefällt – und sogar so gut, dass Du ihn weiter zeigst…! Ich freue mich natürlich immer über Lob, v.A. aber über Leser! Und ganz besonders über kommentierende Leser!!
      D

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