OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Kommentare 2

Jim Thompson House

Fast wär ich gar nicht hingegangen: Ein Haus. Von einem mit Seide handelnden Amerikaner. Muß man nicht unbedingt gesehen haben, oder? Ja doch, man muß!
Das Haus ist kein Einzelhaus, sondern ein Komplex, den Jim Thompson 1959 aus sechs einzelnen traditionellen Thai-Häusern nach seinen eigenen Plänen zusammenbauen und erweitern ließ. Er hat so ein schönes Ensemble aus traditionellen Thai-Formen und großzügigen modernen Raumsequenzen geschaffen – in den traditionellen Holzhäusern ist die Unterteilung in Einzelzimmer innerhalb eines Hauses nicht üblich. Die Gebäude sind aufgeständert, das Erdgeschoss weitgehend offen zu Garten, Hof und Khlong. Die Verbindungen zwischen den Original-Gebäuden bilden nach Thompsons Plänen kleine Kabinette und Flure. Der Haupteingang führt ganz traditionell zum Bootsanleger auf dem Khlong (heute nicht mehr benutzt) und führt Besucher mit einer großen Terrasse und großzügigen Treppe zum Wohnzimmer. Auch wenn heute manche Räume mit AC nachgerüstet wurden (die Ausstellungsstücke brauchen gleichmäßige Temperaturen) erzeugt die traditionelle Bauweise mit ihrer natürlichen Lüftung ein ausgesprochen angenehmes Raumklima – zu dem sicher auch der Schatten der großen Bäume beiträgt. J. Thompson selber ließ die Klimaanlage in seinem Büro wieder ausbauen, da sie ihm zu laut war.
Der umgebende Garten ist klein, durch Grenzmauern und hohe Bäume bildet er einen abgeschlossenen eigenen Raum. Die dichte Bepflanzung soll angeblich an Dschungel erinnern – kann ich nicht bestätigen, dafür ist alles zu wohlgeordnet und inszeniert. Aber gelungen ist sie dennoch, und bildet eine wunderbar schattige, sauerstoffreiche, grüne Oase in der Stadt.
Heute beherbergt das Haus ein Museum, das von der Jim-Thompson-Stiftung betrieben wird, inkl. Buch-/ Souvernirshop und Restaurant.

2 Kommentare

  1. ursula hock

    ein schöner ort! du kommst aus der lärmenden,feuchtheißen, umtriebigen und engen stadt — und dann das: ruhe, kühle, weiträumige ausblicke, schön gestaltete räume,sich anlehnend an „natur“, hmm,- entspannen! allerdings – wo bleibt die seide? wird dort noch produziert? Du weißt,ich liebe Seide! —Erleben die thais solche plätze anders als ausländer? Gibt es auch traditionelle ensembles, die im alltag (nicht als museum) genutzt werden? lg ursa

    • doho

      Hallo Ursula! Willkommen!
      Produziert wurde auch damals nicht in dem Ensemble, sondern in der Weber-Siedlung auf dem gegenüberliegenden Ufer. Ob da heute noch gewebt wird, weiß ich nicht, bezweifle es aber. Geschneidert vielleicht.
      Von der Produktion sieht man nicht viel, die eine große Holzplatte mit den Fischen ist eine alte Druckplatte für den Textildruck, das Muster ist von Chin. Vasen inspiriert. Ansonsten gab es noch einen alten Webstuhl, aber ob der wirklich in den 50er/60er Jahren noch genutzt wurde? Die Firma Jim Thompson gibt es übrigens noch, und sie handeln noch immer mit Seide – unter anderem im Museumsshop.
      Wie Thailändische Besucher den Ort erleben kann ich nicht sagen. Ich habe nur Touristen (fremd) und Angestellte (Thai) getroffen, und deren Wahrnehmung unterscheidet sich sicher erheblich.

Schreibe eine Antwort